Krankengymnastik bei Morbus Bechterew

Christiane Krickau, Krankentherapeutin, Bremen


Warum und weshalb ist für Bechterew-Patienten (MB-Patienten) Krankengymnastik so wichtig?

Bevor wir diese Frage beantworten, sollten wir uns noch einmal kurz die spezielle Problematik dieses Krankheitsbildes vor Augen führen. Der Morbus Bechterew gehört zu den entzündlichen rheumatischen Erkrankungen, in dessen Verlauf es zu Entzündungen an der Wirbelsäule, ihren Gelenken und Bandstrukturen kommt. Begleitet werden diese Vorgänge von Schmerzen, die den MB-Patienten in der Bewegung einschränken. Nachdem ein Schub vorbei ist, können unter Umständen Versteifungen, d. h. knöcherne Überbrückungen, an den Wirbelsäulengelenken zurückbleiben.

Halten wir uns dieses vor Augen, so ist die anfangs gestellte Frage zu einem großen Teil schon beantwortet.

Krankengymnastik sollte gemacht werden zur:

1. Erhaltung bzw. Verbesserung der Wirbelsäulen-Beweglichkeit
2. Dehnung verkürzter Muskulatur
3. Kräftigung schwacher Muskeln
4. Erhaltung bzw. Verbesserung der Beweglichkeit periphererGelenke
    (besonders Schulter-Hüftgelenke)

5. Schmerzlinderung

1. Erhaltung bzw. Verbesserung der Wirbelsäulen-Beweglichkeit

Die Beschaffenheit der Wirbelsäule ermöglicht es dem Menschen, sich in alle Richtungen zu bewegen, d. h., sich zu strecken, zu beugen, zu drehen oder seitlich zu neigen. Solange diese Bewegungen unproblematisch durchführbar sind, nehmen wir sie gar nicht besonders wahr. Erst wenn sie nicht mehr funktionieren, wissen wir um die Nützlichkeit der Wirbelsäule. Wer von uns hatte nicht schon einmal einen "steifen Nacken" und hatte Probleme beim rückwärts einparken?

Ähnlich geht es dem Bechterew-Patienten, der mit eben diesem Verlust permanent zurechtkommen muss. Deshalb sollten mobilisierende Übungen auch während der akuten Phase gemacht werden, um die Beweglichkeit der Wirbelsäule so lange wie möglich zu erhalten. Da mobilisierende Übungen (z. B. Rückenlage, Knie anstellen und rechts/ links rüberkippen lassen - Übungen zur Drehung der Wirbelsäule) einen größeren Reiz ausüben als stabilisierende Übungen, bekommt der Patient im Anschluss an die Übungen sicher etwas mehr Schmerzen, die jedoch nicht länger als max. 2 Stunden andauern sollten.

Eine zu starke Schmerzreaktion ist nicht erwünscht, da sich der Patient als Reaktion darauf zwangsläufig weniger bewegen würde. Das Resultat wäre, dass man genau das Gegenteil dessen bewirkt hätte, was man eigentlich wollte. Deshalb ist es wichtig, dass die Dosierung der einzelnen Übungen genau auf den Zustand des jeweiligen Patienten abgestimmt werden.

Genauso wichtig sind neben den mobilisierenden Übungen auch Übungen zur Streckung der Wirbelsäule. Leider werden immer noch Übungen gemacht, bei denen es heißt "Ich muss mein Hohlkreuz ausgleichen" oder "Ich muss gegen mein Hohlkreuz anarbeiten".

Da ein Bechterew-Patient mit zunehmendem Krankheitsverlauf immer mehr in eine Beugehaltung gezwungen wird, sollte man Übungen, die das physiologische (normale) Hohlkreuz der Lendenwirbelsäule aufheben, dringlichst vermeiden. Denn ein "Bechti" braucht Streckung, krumm wird er von selber. Sollte es aber einmal zu einer kompletten Wirbelsäulen-Versteifung kommen, ist es allemal besser, gerade, d. h. im Hohlkreuz, zu versteifen.

Beispielhafte Übungen zur Wirbelsäulen-Streckung:

Übung a)
Übung A

Übung b)
Übung B

Für beide Übungen gilt:
Fußspitzen hochziehen, Knie leicht beugen (a) und nach außen drehen, Rücken hohl, Bauch rausstrecken, Brustbein rausstrecken, Arme und Finger strecken.

2. Dehnung verkürzter Muskeln

Durch die Krümmung der Wirbelsäule ergeben sich Muskelverkürzungen, die auf jeden Fall gedehnt werden sollten, damit sie den Patienten nicht noch mehr in die Beugung zwingen. Hüftbeuger, rückwärtige Beinmuskeln, Bauchmuskeln, Brustmuskeln, Gluteal- Muskeln (Gesäßmuskeln) müssen aktiv und passiv gedehnt werden. Muskeldehnungen müssen häufig durchgeführt werden, da ein Muskel nur langsam an Spannung verliert.

3. Kräftigung schwacher Muskeln

Muskeln, die gekräftigt werden müssen, sind vor allem Rückenmuskeln, denn sie sind für die aufrechte Haltung des Menschen verantwortlich und die Bauchmuskeln, die ventral (vorne) stabilisieren. Hierbei ist es wichtig, dass die Bauchmuskeln mit Beibehaltung des physiologischen Hohlkreuzes trainiert werden.

4. Erhaltung bzw. Verbesserung der Beweglichkeit peripherer (entfernter) Gelenke

Im Auge behalten sollte man die Beweglichkeit der Hüft- und Schultergelenke. Denn sollte die Wirbelsäule einmal versteifen, braucht der Patient die Kompensationsmöglichkeit (Ausgleich) über diese Gelenke für die verlorene Beweglichkeit der Wirbelsäule.

5. Schmerzlinderung

Alle Maßnahmen aus dem physikalischen Bereich wie Massage, Fango, heiße Rolle etc. sind hier gefragt und angebracht, um den Schmerz zu lindern.

Abschließend ist zu sagen, dass die Krankengymnastik individuell auf den entsprechenden Patienten abgestimmt werden sollte. Der Patient sollte weder unter- noch überfordert werden.

Ein Heimprogramm für Zuhause und regelmäßiges selbständiges Üben sollten selbstverständlich sein.

Mehr Informationen siehe Internet-Links über Morbus Bechterew.